Osterbotschaft des Patriarchen von Moskau und der ganzen Rus' KIRILL
Osterbotschaft des Patriarchen von Moskau und der ganzen Rus' KIRILL
an die Oberhirten, Hirten, Diakone, Mönche und Nonnen
und alle treuen Kinder
der Russischen Orthodoxen Kirche
Im Herrn geliebte hochgeweihte Oberhirten,
hochwürdige Priester und Diakone, gottliebende Mönche und Nonnen,
liebe Brüder und Schwestern!
CHRISTUS IST AUFERSTANDEN!
Im ganzen Reichtum und in der ganzen Vielfalt der menschlichen Sprache gibt es für das glaubende Herz keine anderen Worte, die freudiger und begehrenswerter wären als dieses eindrückliche Zeugnis des errungenen Sieges des Lebens über den Tod und des Guten über das Böse.
„Christus ist auferstanden“ — diese Heilsbotschaft trägt in sich eine verborgene Kraft der Hoffnung und eine großartige Zuversicht im Glauben, aus denen die Menschen seit ihrer Vertreibung aus dem Paradies lebten. Sie lebten aus der Hoffnung auf Vergebung, Versöhnung und Befreiung — aber der Herr gab ihnen unvergleichlich mehr, weil Gott in Seiner Liebe „für uns etwas Besseres vorgesehen hatte“ (Heb 11, 40).
Gottes Sohn kam in die Welt und wurde Mensch. Er teilte mit uns alle Mühen des irdischen Seins, trank den Kelch des Leidens bis zur Neige, und auch den bittersten, den Kelch des Todes. „...ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut“ (Jes 53, 3), nahm Er unsere Sünden auf Sich, indem Er freiwillig das Kreuz bestieg.
Aber konnte der Tod den Schöpfer des Lebens festhalten? Konnten die unersättlichen Abgründe der Hölle Denjenigen verschlingen, durch dessen Wort alles entstand, was geworden ist (vgl. Joh 1, 3)? „Gottes Herrlichkeit erschien im Weltall und durchdrang die Unterwelt mit ihrem strahlenden Licht. Der Tod ist vernichtet, die Pforten der Hölle sind zerbrochen und alle Geschöpfe, die vorher in der Finsternis waren, wurden vom Licht erleuchtet“, - inspiriert besingt so der ehrwürdige Ephraim der Syrer den Sieg des Erlösers über den Tod („Jesus – das Licht der Welt“).
Hat man je gehört, dass der Tod seine Beute zurückgibt? Und wenn er sie zurückgab, so nur für kurze Zeit, um sie wieder zu nehmen. Aber Christus, von den Toten auferweckt, stirbt nicht mehr. Der Tod hat keine Macht mehr über Ihn (Röm 6, 9)! Als Erster der Entschlafenen (1 Kor 15, 20) geht Er uns auf diesem Weg voran: „Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu Ihm gehören“ (1 Kor 15, 23).
Gott erneuerte durch Seine Menschwerdung die menschliche Natur und heilte sie von den Wunden der Sünde. Er führt uns durch Seine Auferstehung zu den besseren Weiden. Er gibt den Menschen nicht nur das Verlorene zurück, indem Er Vergebung und Versöhnung mit Sich schenkt, sondern Er macht uns zu Seinen Söhnen durch Jesus Christus (Eph 1, 5) und gibt allen, die an seinen Namen glauben, die Macht, Kinder Gottes (Joh 1, 12) und Götter aus der Gnade zu werden.
Immer wieder, wenn der Frühling die blühende Natur verwandelt, verbreitet sich die wunderbare Botschaft der Erlösung wie auf Flügeln in der ganzen Welt: „Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; Er ist nicht hier“ (Мk 16, 6). Das Grab ist leer! Denn der Herr ist auferstanden, wie er gesagt hat (Мt 28, 6)!
Das Ostern Christi ist eine unerschöpfliche Quelle unserer großen Freude – einer Freude, die aus der Liebe Gottes zum menschlichen Geschlecht fließt und jedes menschliche Verständnis übersteigt. Und sie offenbarte uns die sichtbaren und unsichtbaren Güter. Die unermessliche Kraft dieser hingebungsvollen Liebe geht so weit, dass sie die Hölle besiegt, das Paradies öffnet, Vergebung und echte geistliche Freiheit schenkt.
„Stark wie der Tod ist die Liebe“ (Hld 8, 6), – behauptete der an Weisheit reiche König Salomo. Wir aber, die Jünger Christi, bezeugen entschieden, dass die Liebe sogar stärker ist als der Tod. Sie überwindet Zeit und Raum, besiegt die Sünde und die Macht der Finsternis. In das Reich der Liebe ruft uns der Herr in Seinem reichen Erbarmen – und man kann nicht dorthin gelangen, wenn man keine Liebe im Herzen hat. Lasst uns einander vergeben, die Fesseln der gegenseitigen Kränkung und des Verdrusses abwerfen. Versöhnen wir uns und umarmen wir einander. Erbarmen wir uns der Notleidenden und trösten wir die Traurigen.
In Christus geheiligt feiern wir dieses wundervolle Osterfest und verwandeln somit die Welt durch das unverwesliche Licht der Auferstehung. Wir führen die Welt zur Freude über die Erlösung, welche der ganze Kosmos erwartet, der sich nach der Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes sehnt (Röm 8, 21). Dann wird selbst unser eigenes Leben, das sich in der Einheit mit dem Herrn bewegt, zur echten Liturgie – zur Liturgie einer wahrhaft kosmischen Dimension, in der jedes Geschöpf seinem Schöpfer Dank und Lob darbringt und ruft: Ehre sei Deiner Auferstehung, o Christus! Ehre sei Deinem Reich! Ehre sei Deiner Vorsehung, der Du als Einziger die Menschen liebst! (Sonntagstroparion, Ton 1).
Vielfältig ist das geistliche Suchen in der Welt, aber nur Einer ist der Weg, die Wahrheit und das Leben (Joh 14, 6). Nur Einer ist der Sieger über Sünde und Tod. Nur Einer öffnet den Himmel. Sein Name ist Jesus Christus, und in keinem anderen ist das Heil zu finden (Apg 4, 12).
Von ganzem Herzen wünsche ich allen gesegnete Ostern und übermittle unablässig das lebensbejahende und für alle Ewigkeit ermutigende Zeugnis davon, dass
DER HERR WAHRHAFT AUFERSTANDEN IST!
DER PATRIARCH VON MOSKAU UND DER GANZEN RUS’
Pascha Christi
2026